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Die letzte Fähre: Cool ist King im eigenen Business.

Die letzte Fähre: Cool ist King im eigenen Business (129)

October 01, 2026•11 min read

Gelassenheit im eigenen Business entsteht nicht dadurch, dass du alles im Griff hast, sondern dadurch, dass du vorher Puffer einplanst und danach akzeptierst, was sich nicht verhandeln lässt. Ein Sturm, der die letzte Fähre der Saison bedroht, macht diesen Unterschied deutlich: Er liegt an niemandem, und Ärger darüber hilft niemandem. Das gilt auf dem Motorrad genauso wie beim Zusatzeinkommen unterwegs.

Was machst du, wenn der Wind entscheidet?

Drei Tage vor unserer Fähre weht Julias Handtuch vom Balkongeländer. Erst ist es nur eine steife Brise. Am nächsten Morgen biegen sich die Palmen an der Küstenstraße von Limassol, als wollten sie sich vor jemandem verneigen.

Der Meltemi, sagt unser Vermieter und zuckt mit den Schultern. Ein Nordwind über der Ägäis. Um diese Jahreszeit nichts Besonderes. Manchmal hält er tagelang an. Manchmal stellen die kleineren Fähren dann den Betrieb ein.

Wir haben genau eine Fähre, die für uns zählt. Die letzte reguläre Überfahrt der Saison nach Piräus. Danach gibt es noch eine einzige, zwei Tage später. Und danach nichts mehr, was uns mit den Motorrädern unter uns nach Hause bringt.

Das Datum war unsere eigene Idee. Am Anfang des Jahres hatten wir uns auf der Terrasse genau eine harte Deadline gesetzt: diese Fähre, vor dem ersten September. Keine Visa-Frist wie vor zwei Jahren, kein Beamter, der entscheidet. Nur ein Termin, den wir selbst gewählt hatten. Wir waren sogar vorsichtig gewesen. Fünf Tage Puffer vor der letzten Sailing. Genug für Verzögerungen, dachten wir.

Mit dem Meltemi hatten wir nicht gerechnet. Und ich ahnte noch nicht, dass ich in den nächsten Tagen mehr über Gelassenheit im eigenen Business lernen würde als in manchem Jahr am Schreibtisch.

Alles erledigt, nichts entschieden.

Ich rufe noch am selben Abend bei der Reederei an. Die Stimme am Telefon ist freundlich und ausweichend. „Wir beobachten die Lage.“ Keine Zusage. Keine Absage. Nur Warten.

Die Wohnung ist gekündigt. Die Abschiede sind gefeiert: das letzte Frühstück mit Alwin im Co-Working-Space, der letzte Spaziergang durch Germasogeia, das letzte Bier mit Petra und Basti in der Strandbar, in der alles angefangen hat. Offiziell sind wir mit Limassol fertig. Nur wegkommen können wir nicht.

Die nächsten zwei Tage verbringe ich in einem seltsamen Schwebezustand. Alle paar Stunden die Wetter-App. Dann eine zweite. Dann eine dritte. Drei Vorhersagemodelle, die sich nicht einig sind. Ich vergleiche Windstärken und Wellenhöhen, als könnte ich den Wind durch genaues Hinschauen überreden.

Dabei merke ich eine Unruhe, die ich seit den ersten Wochen der Reise nicht mehr gespürt habe. Das Handy liegt beim Abendessen neben dem Teller. Der Kaffee wird kalt, weil ich noch schnell ein Modell aktualisiere. Julia sagt nichts dazu. Sie sieht mich nur an.

Du kennst diesen Zustand wahrscheinlich auch. Nicht unbedingt vom Hafen. Vom Warten auf eine Antwort, die ein anderer geben muss. Von einer Passfahrt, die am Wetterbericht hängt. Von einem Gespräch im Business, das sich verschiebt, und dann noch einmal.

Zähl bei dir kurz nach: Wie viele Stunden hast du auf deiner letzten Tour mit Dingen verbracht, die du nicht ändern konntest? Nicht aus Nachlässigkeit. Sondern weil sich Nachschauen wenigstens nach Handeln anfühlt.

Bei mir waren es in diesen zwei Tagen mehr, als ich zugeben will. Geholfen hat keine einzige davon.

Mehr Kontrolle, mehr Sicherheit? Nicht bei jedem Gegner.

Die naheliegende Annahme ist einfach. Wer mehr prüft, ist besser vorbereitet. Wer öfter anruft, weiß mehr. Wer drei Apps vergleicht, ist sicherer als der mit einer.

Das stimmt. Bis zu einem bestimmten Punkt. Danach kippt es.

Vor zwei Jahren, auf unserer ersten großen Reise, hingen wir an Visa-Fristen und an Grenzbeamten mit Ermessensspielraum. Da hat Nachfragen oft etwas gebracht. Freundlich bleiben, Unterlagen sortieren, geduldig noch einmal erklären. Ein Mensch kann sich umentscheiden.

Ein Sturm kann das nicht.

„Keine Grenzbeamten mehr“, sagt Julia am Abend trocken, als wir zum wiederholten Mal die Vorhersage prüfen. „Dafür jetzt ein Sturm, der sich nicht verhandeln lässt.“

„Wenigstens ist es niemandes Laune“, sage ich. „Nur Physik.“

Sie lacht kurz. Wirklich lustig ist es nicht. Wir wissen beide, was auf dem Spiel steht. Fällt diese Fähre aus und die nächste auch, müssen wir die Bikes verschiffen und selbst fliegen. Aufwendig, kompliziert. Und ein Bruch der einen Regel, die wir uns für dieses Jahr gegeben haben: keine Kilometer ohne die Maschinen unter uns.

Genau hier liegt die Fehlannahme. Kontrolle wirkt nur dort, wo jemand oder etwas auf dich reagiert. Ein Beamter reagiert. Ein Partner reagiert. Das Wetter reagiert nicht. Da wird aus Vorbereitung irgendwann nur noch Beschäftigung, die sich wie Vorbereitung anfühlt.

Du denkst jetzt vielleicht: Gelassenheit, schön und gut, aber wer entspannt bleibt, dem ist es eben egal. Uns war es nicht egal. Überhaupt nicht. Wir mussten nur lernen, den Unterschied zu sehen zwischen dem, was wir tun konnten, und dem, was wir nur aushalten konnten.

„Atmet. Es wird sich lösen, so oder so.“

Diesen Unterschied hat uns am Ende nicht der Wetterbericht gezeigt. Sondern ein Anruf.

Julia hatte Cornelia beiläufig geschrieben, eher als Statusmeldung denn als Hilferuf. Cornelia ruft sofort zurück. „Ihr klingt, als würdet ihr den Weltuntergang erwarten“, sagt sie, halb amüsiert, halb besorgt. „Ist doch nur Wind.“

„Wind, der uns die letzte Fähre der Saison kosten könnte“, sage ich.

„Und wenn er das tut? Dann fliegt ihr, verschifft die Bikes, und in drei Wochen ist das nur noch eine Anekdote fürs Buch.“ Sie lacht. „Ich sag das nicht, um es kleinzureden. Ich sag's, weil ich euch beide kenne. Atmet. Es wird sich lösen, so oder so.“

Sie bietet keine Lösung an. Sie hat keine bessere App und keinen Kontakt zur Reederei. Sie erinnert uns nur daran, dass es einen Plan B gibt. Unbequem, ja. Aber kein Weltuntergang. Und plötzlich fühlt sich das Warten anders an.

Am Tag der Abfahrt ist der Wind noch da, aber schwächer. Um zehn Uhr morgens gibt die Reederei grünes Licht. Eine Stunde Verspätung, dazu die Warnung, die Überfahrt könne „unruhig“ werden.

Auf dem Fährdeck wirken die Reifen auf dem schwankenden Stahlboden seltsam unsicher. Ein Hafenarbeiter sichert unsere Bikes mit doppelten Gurten, ohne dass wir fragen müssen. „Meltemi-Protokoll“, sagt er nur und spannt den zweiten Gurt über Jessis Sitzbank. Der Blick eines Mannes, der das schon sehr oft gemacht hat.

Gegen Abend, auf offener See zwischen Zypern und Kreta, beginnt das Schiff zu rollen. Erst sanft, dann deutlicher. In der Bordkantine klirren die Gläser. Julia, auf See erstaunlich unempfindlich, bleibt an Deck. Ich pendle zwischen Kabine und Reling, mehr aus Vorsicht als aus Not. Ein Steward balanciert zwischen den Tischen und bringt uns ungefragt Ingwertee. „Erste Nacht ist immer die schlimmste“, sagt er. „Morgen früh ist es ruhiger.“

Julia stellt sich zu mir an die Reling, den Wind in den Haaren. „Vor zwei Jahren hatten wir Grenzbeamte mit Ermessensspielraum. Diesmal haben wir das Mittelmeer mit Ermessensspielraum. Ehrlich gesagt find ich das fairer.“

„Fairer, aber nicht bequemer“, sage ich. Das Schiff sackt in ein Wellental. Mein Magen hat eine Meinung dazu, die ich lieber für mich behalte.

In der zweiten Nacht beruhigt sich die See. Wir kommen mit sechs Stunden Verspätung in Piräus an. Beide Bikes unversehrt auf dem Deck. Und noch mit ein paar Tagen Luft vor dem ersten September.

Gelassenheit im eigenen Business heißt Puffer statt Dauerkontrolle.

Am Kai, beim Lösen der Gurte, sagt Julia den Satz, den ich mir gemerkt habe. „Bei einem Grenzbeamten kannst du wütend werden, weil es ungerecht wirkt. Bei einem Sturm kannst du nur akzeptieren. Das ist im Grunde entspannter, auch wenn's sich in dem Moment nicht so anfühlt.“

Beim Zusatzeinkommen unterwegs gibt es erstaunlich viele Stürme. Sie heißen nur anders. Ein Gespräch, das jemand kurzfristig absagt. Ein Partner, der leiser wird, so wie Tobias auf Sardinien. Eine Woche in den Bergen mit einem Balken Netz. Nichts davon lässt sich verhandeln. Und das meiste davon liegt an niemandem.

Es gibt zwei Arten, damit umzugehen. Der eine schreibt beim ersten Schweigen die dritte Nachricht, schaut stündlich, ob sie gelesen wurde, und erklärt sich abends selbst, was er falsch gemacht hat. Der andere hat eingeplant, dass Dinge dauern.

Er fragt einmal ehrlich nach. Dann lässt er Raum und fährt in der Zwischenzeit Motorrad. Den ersten kenne ich gut. Ich war es selbst, zwei Tage lang, in einer gekündigten Wohnung in Limassol.

Damit das klar ist: Gelassenheit macht den Sturm nicht kleiner. Die Überfahrt war trotzdem rau. Die zwei Tage Warten haben trotzdem Nerven gekostet. Und wäre die Fähre ausgefallen, wäre es aufwendig und teuer geworden. Es gibt keine Methode, mit der Wind oder Menschen tun, was du dir wünschst.

Was es gibt, ist Vorbereitung an der richtigen Stelle. Puffer vorher statt Kontrolle währenddessen. Ein Plan B, den du kennst, bevor du ihn brauchst. Das nimmt dem Sturm nicht die Kraft. Aber es nimmt ihm die Macht über deine Laune.

Bei uns läuft das Business genau so, und das meine ich wörtlich. Kurz vor der Abfahrt hatte ich mit Alwin einen Fahrplan für unser gemeinsames Angebot festgelegt. Ich arbeite die Struktur bis Ende September aus, er die Vertriebsseite. Im Oktober präsentieren wir zum ersten Mal vor einer kleinen Testgruppe. Per Video, egal wo wir beide gerade sind. Kein Termin, der einen gemeinsamen Ort braucht. Wenn eine Fähre ausfällt, fällt nicht gleich das Gespräch aus.

Und das Zusatzeinkommen selbst? Das ist bei uns kein Kurs und kein System mit Garantie. Es ist ein Weg, der sich in den Reiserhythmus einfügt, weil er weder an einem Ort hängt noch an einem einzelnen Tag. Weitergeben statt verkaufen, im eigenen Tempo. Genau deshalb verträgt es auch einmal zwei Tage Meltemi.

Was am Kai von Piräus bleibt.

Wir setzen uns auf eine Mauer am Kai. Frühstück vom Kiosk, Kaffee aus dem Pappbecher. Um uns herum wacht der Hafen auf. Lkw, die aufs nächste Schiff warten. Rucksackreisende. Ein paar Fischer, die ihren frühen Fang sortieren. Mit jedem Schluck löst sich die Anspannung der letzten Tage ein Stück mehr aus meinen Schultern.

„Nächstes Jahr planen wir mehr Puffer“, sagt Julia.

„Nächstes Jahr schau ich mir vorher die Wetterdaten der letzten zehn Jahre an“, sage ich.

„Fred, der Ingenieur, schlägt wieder zu.“

Vielleicht ist genau das die ehrlichste Form von Gelassenheit im eigenen Business. Vorher alles tun, was geht. Und dann aufhören, mit dem Wind zu verhandeln. Denn ein Sturm lässt sich nicht verhandeln. Das macht ihn nicht bequemer. Aber ehrlicher.

Häufige Fragen.

Muss ich im Business alles unter Kontrolle haben, um unterwegs entspannt zu bleiben?

Nein. Entspannt bleibst du eher, wenn du trennst, was du beeinflussen kannst und was nicht. Für das Beeinflussbare planst du Puffer und einen Plan B ein. Beim Rest hilft ständiges Nachprüfen nicht weiter, es kostet nur Nerven und Reisezeit.

Wie viel Zeit braucht ein Zusatzeinkommen unterwegs, wenn die Reise gerade alle Aufmerksamkeit fordert?

Weniger, als viele denken, und vor allem keine festen Zeiten an einem festen Ort. Bei uns gibt es Wochen mit vielen Gesprächen und Tage, an denen gar nichts passiert, zum Beispiel auf einer stürmischen Fähre. Beides gehört dazu, solange du im eigenen Tempo bleibst.

Muss ich verkaufen können, um mir unterwegs etwas aufzubauen?

Nein. Bei The Business Biker heißt der Ansatz weitergeben statt verkaufen. Du erzählst, wie du deine Touren finanzierst, wenn jemand danach fragt, und lässt dem anderen die Entscheidung. Ohne Druck, ohne Kontaktliste, die du abarbeiten musst.

Dein Aktionsplan: Puffer, Plan B und ein ruhiger Kopf.

Du brauchst keinen Sturm, um das auszuprobieren. Die nächste Tour reicht, oder die nächste Woche im Business. Diese Schritte kosten dich einen Abend und sparen dir unterwegs viele Blicke aufs Handy:

1. Setz dir für deine nächste Tour genau eine harte Deadline, zum Beispiel eine Fähre oder einen Termin zu Hause. Und leg davor mindestens zwei, besser drei bis fünf Tage Puffer.

2. Schreib deinen Plan B auf, bevor du losfährst: Was passiert, wenn die Verbindung ausfällt? Was kostet eine Verschiffung der Maschine ungefähr, und wen würdest du anrufen?

3. Frag direkt nach, statt stündlich nachzusehen. Einmal bei der Reederei anrufen, einmal mehrere Wettermodelle vergleichen. Dann das Handy weglegen, bis sich die Lage wirklich ändern kann.

4. Mach für dein Business eine Liste mit zwei Spalten: Was kann ich diese Woche beeinflussen, und was liegt bei anderen? Für die erste Spalte planst du Zeit ein. Für die zweite planst du Geduld ein.

5. Pack Ingwertee ein und such dir bei rauer See einen Platz an Deck mit freiem Blick zum Horizont.

Wenn es dann trotzdem stürmt, weißt du, was als Nächstes kommt. Und sitzt vielleicht am Ende auch auf einer Mauer am Kai, mit einem Kaffee in der Hand und lockeren Schultern.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wenn du wissen willst, wie ein zweites Standbein konkret für Unternehmer aussieht, die bereits ein funktionierendes Hauptbusiness haben, findest du den nächsten Schritt auf money.bizbiker.de. Ohne Hype, ohne Druck, mit klarer Struktur.

Hinweis: Die Tipps gegen Seekrankheit in diesem Artikel beruhen auf unserer Reiseerfahrung und sind keine Gesundheitsberatung. Bei gesundheitlichen Fragen oder bevor du Mittel gegen Reisekrankheit einnimmst, sprich bitte mit deinem Arzt.

Gelassenheit im eigenen BusinessTeam führen aus der FerneVom Zusatzeinkommen zum eigenen kleinen Team
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Fred Renoth

Fred Renoth ([email protected]) ist der Gründer von „The Business Biker Motorrad Abenteuer” und ein Fan von gesundem Leben. Er verbringt seine Tage damit, auf zwei Rädern das Land zu erkunden und die Freiheit und Einfachheit zu genießen. Dank der finanziellen Unabhängigkeit durch sein eigens Business kann er sein Leben ganz nach seinen Vorstellungen gestalten. Unterwegs erzählt Fred Geschichten über Abenteuer, Durchhaltevermögen und darüber, wie man ein Leben aufbaut, in dem die Arbeit die Leidenschaft beflügelt, anstatt sie einzuschränken. Fred hat sich mit Jessi Bimmer, einer BMW 1200 GS Adventure, und Klaus Kimann zusammengetan, der sich um die digitalen Aspekte der Reise kümmert.

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