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Network Marketing unterwegs: Wenn die Antwort fehlt.

Network Marketing unterwegs: Wenn die Antwort fehlt (125)

September 23, 202610 min read

Network Marketing unterwegs heißt: Hinter jeder Grenze warten neue Fragen, und die geübte Antwort von gestern trägt nicht automatisch weiter. Als mich ein Fremder an einer Tankstelle in Bellingham fragte, ob unser Zusatzeinkommen nur ein Schneeballsystem sei, fehlten mir die Worte. Daraus habe ich gelernt, dass ehrlich ausgesprochene Unsicherheit glaubwürdiger wirkt als jede eingeübte Masche.

Die Nacht vor der ersten großen Grenze

Surrey, British Columbia. Ein Motelzimmer am Stadtrand. Das Fenster geht auf einen Parkplatz, dahinter eine Reihe fast gleicher Motels, jedes mit seiner eigenen Leuchtreklame. Bis zum Grenzübergang Peace Arch bei Blaine sind es nur ein paar Minuten.

Es ist kurz vor Mitternacht. Julia liegt neben mir und schläft nicht. Ich schlafe auch nicht. Ich gehe im Kopf die Papiere durch. Fahrzeugscheine, Versicherungsnachweise, die ausgedruckte Reiseroute, nach der garantiert niemand fragen wird.

„Du bist wach“, sagt Julia in die Dunkelheit. Keine Frage. Eine Feststellung.

„Ich geh die Liste noch mal durch.“ „Zum wievielten Mal heute?“ Ich muss tatsächlich überlegen. Das allein sagt schon alles. „Zum vierten.“

Diese Nacht erzählen wir im zweiten Buch der Business-Biker-Reihe, „Frei und flüssig auf dem Bike-Trip“. Kein spektakuläres Kapitel. Kein Unfall, keine Panne, kein Sturm. Und trotzdem hat mir genau dieser Abschnitt der Reise mehr über Network Marketing unterwegs beigebracht als die Wochen davor in Kanada. Nicht die Nacht selbst. Sondern der nächste Tag, an einer Tankstelle, keine halbe Stunde hinter der Grenze.

Die Papiere waren nie das Problem. Wir hatten sie in Deutschland geprüft. Noch einmal in Toronto. Sie änderten sich nicht, nur weil ich sie ein fünftes Mal im Kopf durchging.

Irgendwann habe ich es ausgesprochen. Es ging gar nicht um die Papiere. Es ging darum, dass diese Grenze die erste richtige war. Danach war Kanada vorbei. Und mit Kanada der Teil der Reise, in dem ich wusste, wie alles funktioniert.

Julia war lange still. Dann gab sie leise zu, dass sie die ganze Zeit so getan hatte, als würde sie das nicht beschäftigen. Es beschäftigte sie aber. Das hat mich mehr überrascht, als es hätte sollen. Ich hatte mich so an ihre Ruhe gewöhnt, dass ich vergessen hatte: Auch Ruhe kann eine Fassade sein. Genau wie meine Listen eine waren.

Der Grenzübergang am nächsten Morgen war dann fast enttäuschend. Eine Schlange aus Wohnmobilen und Pick-ups, im Schritttempo. Vor uns ein Hund, der uns aus einem Wohnmobilfenster anstarrte, als wollte er sich unsere Gesichter merken. Hinter uns ein Sattelschlepper, dessen Leerlauf ich durch die Stiefelsohlen spürte.

Dann ein Beamter in einer Kabine. Makellos gebügelte Uniform, flache Stimme. Grund der Reise, Dauer, zwei weitere Routinefragen. Ein Stempel. „Welcome to the United States.“ Die Schranke ging hoch.

Ich wartete auf ein großes Gefühl. Es kam keins. Nur ein leises Ausatmen, wie nach einem Atemzug, den ich viel zu lange angehalten hatte. Julia brachte es auf der anderen Seite auf den Punkt: Wochenlang Sorgen, und dann ist es einfach ein Stempel.

Dieses Muster kenne ich seitdem an mir. Der Körper reagiert auf Unsicherheit oft heftiger als auf echte Gefahr. Und das ständige Durchgehen im Kopf fühlt sich nach Kontrolle an. In Wahrheit schraubt es die Anspannung nur weiter hoch.

Auf einem kleinen Rastplatz kurz hinter der Grenze holten wir dann etwas hervor, das wir seit Wochen nicht mehr angeschaut hatten: unsere drei Kriterien für die Route. Wetter sagte Küste. Business sagte auch Küste, mehr Städte, mehr Menschen. Also Küste. Keine perfekte Antwort. Aber wieder eine gemeinsame, nach unserem eigenen System.

Die Frage an der Tankstelle in Bellingham

Bellingham, Washington. Erster Tankstopp in den USA. Ich stehe an der Zapfsäule, da kommt ein Mann auf uns zu. Cap mit dem Logo einer Spedition, Ölflecken an den Händen. Er schaut auf die beiden beladenen Motorräder mit deutschen Kennzeichen und fragt ohne Umweg, was für ein Geschäftsmodell dahintersteckt.

Die Frage kannte ich. In Kanada hatte ich sie oft beantwortet. Aber seine Art zu fragen war anders. Nicht neugierig. Prüfend. Als hätte er innerlich schon eine Liste mit möglichen Antworten, die er nur noch abhaken wollte.

Ich erklärte es ihm. Kürzer als sonst, weil ich noch nicht im Rhythmus war. Er hörte zu, die Arme vor der Brust verschränkt, und nickte an den falschen Stellen. Dann kam seine eigentliche Frage. Ob das Ganze nicht am Ende doch nur ein Schneeballsystem sei. Nur mit besserem Marketing.

Das hat gesessen.

Nicht, weil die Frage unverschämt war. Sondern weil sie klug war. Und weil mir in diesem Moment die Worte fehlten, die ich in Kanada längst parat gehabt hätte. Ich sagte etwas über Produktverkauf statt reiner Empfehlungsstruktur. Über Transparenz. Über die Länderliste unseres Partnerunternehmens. Alles nicht falsch. Aber ich hörte selbst, wie unsicher es klang. Er hörte es vermutlich auch.

Am Ende zuckte er mit den Schultern. Nicht sein Ding, sagte er, aber viel Glück. Dann ging er zurück zu seinem Truck.

„Das war nicht deine beste Vorstellung“, sagte Julia, als er außer Hörweite war. Ohne Vorwurf. Eine nüchterne Beobachtung. Und sie hatte recht.

Warum die geübte Antwort plötzlich nicht mehr reicht

Wenn du schon einmal mit dem Gedanken an ein Zusatzeinkommen über Network Marketing gespielt hast, kennst du diese Frage wahrscheinlich. Vielleicht nicht von einem Fremden an der Tankstelle. Vielleicht von einem Freund. Vielleicht von dir selbst, abends, bevor du das Thema wieder weggeschoben hast.

Und ehrlich: Die Frage ist berechtigt. Viele von uns kennen jemanden, der Freunde und Familie mit Produkten und Einladungen überrollt hat. Diese Skepsis kommt nicht aus dem Nichts. Ich hatte sie selbst, lange bevor ich auf dem Bike saß.

Die typische Fehlannahme liegt woanders. Sie lautet: Wer einmal die richtigen Antworten gelernt hat, ist für alle Gespräche gerüstet. Man legt sich ein paar Sätze zurecht, feilt daran, und dann läuft das. In Kanada hatte ich genau das gemacht, ohne es zu merken. Ich kannte die Fragen. Ich kannte meine Antworten. Es fühlte sich nach Sicherheit an.

In Bellingham habe ich gemerkt, wie dünn diese Sicherheit war. Eine neue Umgebung, ein anderer Ton, ein Mensch, der direkter fragt. Schon trägt die geübte Antwort nicht mehr. Nicht, weil sie falsch war. Sondern weil sie auf eine Frage passte, die er so gar nicht gestellt hatte.

Dazu kam der Stress. Nach einer halb durchwachten Nacht und der ersten großen Grenze war mein Kopf nicht bei der Sache. Unter Anspannung fehlen selbst erfahrenen Menschen plötzlich die richtigen Worte. Das ist keine Charakterschwäche. Das ist ein Körper, der noch im Grenzmodus steckt.

Wenn du also denkst, du seist nicht der Verkäufertyp, weil dir in solchen Momenten nichts Schlaues einfällt: Willkommen im Club. Mir ging es genauso. Nach vielen Wochen unterwegs und vielen guten Gesprächen.

Network Marketing unterwegs heißt: in jedem Land neu anfangen

Am Abend saßen wir in einem kleinen Diner. Rote Kunstledersitze, eine Speisekarte, dicker als nötig. Ich stocherte in einem Stück Apple Pie herum, das ich eigentlich gar nicht mehr wollte, und sprach aus, was mich seit der Tankstelle beschäftigte.

In Kanada hatte ich mich gerade eingespielt gefühlt. Jetzt fühlte es sich wieder an wie am ersten Tag in Toronto. Nur ohne die Aufregung, die das damals erträglich gemacht hatte. Dann stellte ich die Frage, die ich mir den ganzen Nachmittag nicht laut zu stellen getraut hatte. Was, wenn das Konzept einfach nicht trägt, wenn man ständig neu anfangen muss?

Julia rührte in ihrem Kaffee, ohne zu trinken. Bei ihr heißt das meistens: Sie ist noch nicht fertig mit Nachdenken. Dann sagte sie einen Satz, den ich bis heute im Ohr habe. „Dann bauen wir eben in jedem Land neu an. Das ist nicht dasselbe wie Scheitern. Das ist nur ein anderer Rhythmus, als wir gedacht haben.“

Das war der Perspektivwechsel. Ich hatte die Szene an der Tankstelle als Rückschlag abgespeichert. Julia sah darin eine Lektion. Wir hatten uns in Kanada vielleicht zu bequem auf eine einzige Masche verlassen. Ein Business, das über Grenzen hinweg immer gleich funktioniert, gibt es nicht. Jedes Land tickt anders. Jeder Mensch fragt anders.

Und noch etwas habe ich an diesem Abend verstanden. Der Mann mit der Speditions-Cap hatte mir nicht geschadet. Er hatte mir einen Spiegel vorgehalten. Meine Unsicherheit war nicht das Problem. Das Problem war, dass ich sie hinter geübten Sätzen verstecken wollte.

Rückblickend hätte eine ganz einfache Antwort mehr bewirkt. Etwa so: „Gute Frage. Die hab ich mir auch gestellt, bevor ich angefangen habe. Ich erzähl dir, wie es bei uns läuft, und du entscheidest selbst, was du davon hältst.“ Kein Druck. Kein Überzeugen-Müssen. Ehrlichkeit über die eigene Unsicherheit wirkt glaubwürdiger als jede eingeübte Antwort.

Das passt zu dem, was wir mit „weitergeben statt verkaufen“ meinen. Du musst niemanden bekehren. Du erzählst, was du selbst erlebst. Wer sich dafür interessiert, fragt nach. Wer nicht, fährt mit seinem Truck weiter. Beides ist in Ordnung.

Ganz praktisch mache ich seitdem drei Dinge anders, wenn eine Grenze oder ein schwieriges Gespräch ansteht. Ich prüfe meine Unterlagen einmal, gründlich, und dann ist Schluss. Ich atme vorher ein paar Mal bewusst, vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus. Und nach einer belastenden Situation rede ich darüber, statt direkt zum nächsten Punkt weiterzufahren. Das Gespräch im Diner hat mir an diesem Abend mehr geholfen als die ganze Nacht mit der Papierliste im Kopf.

Was von der Grenze bleibt

Später, im Motelzimmer, stand ich noch eine Weile am Fenster. Draußen die Lichter der Tankstelle gegenüber. Ein Land, das ich aus Filmen und Reiseberichten kannte und das sich in der Praxis unübersichtlicher anfühlte als gedacht. Ich dachte an Eagle Plains, an das Basecamp am Muncho Lake, an all die kleinen Entscheidungen, die uns bis hierher gebracht hatten. Jede davon hatte uns Sicherheit gegeben. Diese Sicherheit mussten wir uns jetzt neu verdienen.

Kein beruhigender Gedanke. Aber auch kein schlechter.

Network Marketing unterwegs ist kein fertiges Skript, das du einmal lernst und dann überall abspulst. Es ist eher wie die Route selbst. Du planst, du fährst, und hinter jeder Grenze schaust du neu auf die Karte. Die kritischen Fragen gehören dazu. Sie machen dich nicht kleiner. Sie halten dich ehrlich.

Wer ein Zusatzeinkommen als Motorradfahrer aufbauen will, braucht deshalb keine perfekten Antworten. Er braucht die Bereitschaft, immer wieder neu zuzuhören. Und den Mut, auch mal zu sagen: Da muss ich selbst erst nachdenken.

Häufige Fragen

Ist Network Marketing nicht einfach ein Schneeballsystem?

Die Frage ist berechtigt, und du solltest sie stellen. Ein guter Prüfstein: Fließt das Geld vor allem über echte Produkte, die echte Kunden nutzen, oder über Einstiegsgebühren neuer Partner? Schau dir das Partnerunternehmen genau an, frag nach und entscheide dann in Ruhe. Wer dich dabei drängt, hat dir damit schon eine Antwort gegeben.

Was mache ich, wenn mir im Gespräch die Worte fehlen?

Sag genau das. Ehrlich ausgesprochene Unsicherheit wirkt glaubwürdiger als eine glatte, eingeübte Antwort. Du darfst eine Frage auch mitnehmen und später in Ruhe beantworten.

Muss ich jede Skepsis ausräumen können?

Nein. Manche Menschen wollen einfach nicht, und das ist in Ordnung. Deine Aufgabe ist nicht, jemanden zu überzeugen. Deine Aufgabe ist, ehrlich zu erzählen, was du selbst erlebst.

Dein Aktionsplan für die nächste kritische Frage

Die nächste kritische Frage kommt bestimmt. Vielleicht an einer Tankstelle, vielleicht beim Abendessen mit Freunden. Mit diesen fünf Schritten bist du nicht perfekt vorbereitet. Aber ehrlich. Und das reicht.

1.Einmal prüfen, dann loslassen. Bereite dich auf ein Gespräch oder eine Grenze einmal gründlich vor. Danach ist Schluss. Jede weitere Runde im Kopf erhöht nur die Anspannung.

2.Vorher bewusst atmen. Vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus, ein paar Mal hintereinander. Das dauert keine Minute und geht an jeder Zapfsäule.

3.Die schwierigste Frage selbst stellen. Schreib auf, welche kritische Frage du am meisten fürchtest. Beantworte sie in deinen eigenen Worten, nicht mit auswendig gelernten Sätzen.

4.Unsicherheit aussprechen. Wenn dir die Worte fehlen, sag es. „Gute Frage, da muss ich kurz nachdenken“ wirkt ehrlicher als jede glatte Antwort.

5.Abends nachbesprechen. Rede nach einem schwierigen Gespräch mit jemandem darüber, statt es stumm mitzuschleppen. Mit deinem Reisepartner, deiner Partnerin, einem Freund.

Keiner dieser Schritte macht dich zum Verkäufer. Das ist auch nicht das Ziel. Sie helfen dir, bei dir zu bleiben, wenn jemand genau hinschaut. Hinter jeder Grenze ein bisschen besser.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Network Marketing unterwegs (primär)Zusatzeinkommen als Motorradfahrer aufbauenOrtsunabhängig Geld verdienen auf Reisen
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Fred Renoth

Fred Renoth ([email protected]) ist der Gründer von „The Business Biker Motorrad Abenteuer” und ein Fan von gesundem Leben. Er verbringt seine Tage damit, auf zwei Rädern das Land zu erkunden und die Freiheit und Einfachheit zu genießen. Dank der finanziellen Unabhängigkeit durch sein eigens Business kann er sein Leben ganz nach seinen Vorstellungen gestalten. Unterwegs erzählt Fred Geschichten über Abenteuer, Durchhaltevermögen und darüber, wie man ein Leben aufbaut, in dem die Arbeit die Leidenschaft beflügelt, anstatt sie einzuschränken. Fred hat sich mit Jessi Bimmer, einer BMW 1200 GS Adventure, und Klaus Kimann zusammengetan, der sich um die digitalen Aspekte der Reise kümmert.

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