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Fred & Jessi on the road

Gelassenheit im eigenen Business braucht eine Deadline.

Gelassenheit im eigenen Business braucht eine Deadline (128)

September 26, 2026•10 min read

Wer keine äußere Deadline mehr hat, kein Visum, keinen Chef, keinen Urlaubsantrag, muss sich selbst eine setzen, sonst zerfasert die Freiheit, auf der Reise genauso wie im eigenen Business. Echter Fortschritt zeigt sich dabei nicht daran, dass keine Fragen mehr kommen. Er zeigt sich daran, dass sich die Frage verschiebt: von „Schaffen wir das überhaupt?“ zu „Wie machen wir es gut?“

Wenn niemand mehr die Uhr stellt.

Der Abend vor der Abfahrt. Terrasse, ein Glas Wein für Julia, Wasser für mich. Auf dem Tisch eine Europakarte, so groß ausgedruckt, dass die Länder nicht ineinanderlaufen, wenn man mit dem Finger drüberfährt.

Drinnen stehen die Kisten. Beschriftet, bevor überhaupt jemand gefragt hat, wo sie hinsollen. Auf dem Küchentisch die zweite Kiste: zwei Laptops, ein kleines Stativ für Videocalls, ein Ordner, den Julia „unser Gehirn“ nennt. Viereinhalb Monate Mittelmeer liegen vor uns. Frankreich, Korsika, Sardinien, Griechenland, Kreta, Zypern.

So beginnt „Gelassen und genussvoll auf dem Bike-Trip“, das dritte Buch unserer Reihe The Business Biker. Und an diesem Abend fällt uns etwas auf, das wir zwei Jahre lang nicht hatten. Auf dieser Karte gibt es keinen einzigen Termin, den uns jemand anderes vorschreibt.

Kein Visum, das abläuft. Kein Grenzbeamter mit Stempel und schlechter Laune nach der Nachtschicht. Kein Chef, bei dem einer von uns Urlaubstage beantragen müsste. Auf unserer ersten großen Reise, von Kanada bis Panama, hatten Einreisefristen jede Etappe diktiert. Jetzt ist davon nichts mehr übrig.

Klingt nach dem Traum. Ist es auch. Aber der Traum hat einen Haken, und den sehen wir an diesem Abend zum ersten Mal klar: Er hat keine Form.

Vielleicht kennst du das. Die Tour steht im Kopf, aber nicht im Kalender. Das Zusatzeinkommen läuft nebenher, aber wohin eigentlich? Genau hier beginnt Gelassenheit im eigenen Business. Nicht mit noch mehr Freiheit. Sondern mit einer Grenze, die du dir selbst ziehst.

Solange jemand anderes den Takt vorgibt, ist das Leben unbequem, aber übersichtlich. Der Urlaub hat drei Wochen. Das Visum hat neunzig Tage. Der Bericht muss Montag um acht raus. Du fluchst darüber. Aber du weißt, wo du stehst.

Dann fällt der Takt weg. Vielleicht, weil sich dein ortsunabhängiges Nebeneinkommen so entwickelt hat, dass niemand mehr über deine freien Tage entscheidet. Vielleicht, weil du dich einfach entschieden hast, anders zu leben. Plötzlich läuft keine Uhr mehr gegen dich.

Die ersten Wochen fühlen sich an wie der erste Kilometer nach dem Winter. Motor warm, Straße trocken, Kopf leer. Die Handschuhe riechen noch nach Garage. Herrlich.

Nach ein paar Monaten merkst du etwas anderes. Die Tage fließen ineinander. Die Tour, die du unbedingt fahren wolltest, rutscht nach hinten. Erst um eine Woche, dann um einen Monat. Nicht, weil etwas dagegen spricht. Sondern weil nichts dafür drängt.

Zähl kurz nach. Wie viele Touren hast du dir in den letzten Jahren fest vorgenommen? Und wie viele davon standen am Ende mit Datum im Kalender? Das ist keine Anklage. Es ist eine Rechnung, die jeder für sich allein aufmachen kann.

Im eigenen Business läuft es genauso. Ohne Chef keine Abgabe. Ohne Abgabe keine Priorität. Und ohne Priorität bist du den ganzen Tag beschäftigt, ohne dass am Abend klar ist, womit eigentlich.

Warum grenzenlose Freiheit zerfasert.

Die naheliegende Annahme lautet: Freiheit heißt, keine Termine zu haben. Je weniger festgelegt ist, desto freier bist du.

Auf dem Papier stimmt das. Auf der Straße nicht.

Stell dir zwei Fahrer vor, beide ohne äußeren Zwang unterwegs. Der eine fährt los und schaut, was kommt. Nach drei Monaten hat er viele Kilometer auf dem Tacho und kaum einen Ort, an dem er wirklich war. Der andere legt sich einen einzigen festen Punkt fest und lässt alles andere offen. Er fährt weniger. Aber er weiß am Ende genau, wo er gewesen ist.

Auf der Terrasse habe ich es damals so gesagt: Wenn niemand mehr eine Uhr gegen uns laufen lässt, dann stellen wir sie selbst. Sonst zerfasert die Reise. Wir fahren dann einfach, weil wir fahren können, ohne dass es irgendwohin führt.

Du denkst jetzt vielleicht: Genau vor diesem Planungszwang bin ich doch weggefahren. Ich will keinen Chef mehr, auch keinen in meinem eigenen Kopf.

Verständlich. Der Unterschied liegt aber nicht in der Deadline selbst. Er liegt darin, wer sie gesetzt hat. Eine aufgezwungene Frist fühlt sich an wie ein Zaun. Eine selbstgewählte eher wie ein Geländer an einer steilen Treppe. Du musst dich nicht festhalten. Aber es ist gut zu wissen, dass es da ist.

Früher hätten Julia und ich genau an dieser Stelle aneinander vorbeigeredet. Sie die Pragmatikerin, die losfährt und unterwegs entscheidet. Ich der Planer, der erst ein Ziel braucht, bevor er den ersten Kilometer fährt. An diesem Abend treffen wir uns in der Mitte. Ohne dass es einen von uns etwas kostet.

Eine Fähre als einzige Deadline des Jahres.

Julia macht den ersten Vorschlag. Basecamps, wie auf der ersten Reise. Nur enger getaktet: zehn bis vierzehn Tage statt vier Wochen. Keine Kontinente mehr, die lange Standzeiten erzwingen. Aber dasselbe Prinzip. Nicht Kilometer schrubben, sondern ankommen, arbeiten, leben, Leute kennenlernen.

Dazu feste Unterkünfte statt Zelt. Kein Luxus. Ein kleines Apartment, ein Zimmer über einer Bar, notfalls ein einfaches Hotel. Hauptsache verlässliches WLAN und eine ruhige Ecke für Videocalls. Ein Basecamp ist für uns kein Ferienlager. Es ist ein Büro mit Aussicht. Und niemand führt ernsthaft ein Gespräch über die eigene Zukunft, während im Hintergrund die Campingplatzdusche rauscht.

Bleibt eine einzige harte Grenze. Die Fähre nach Zypern. Sie fährt nur zwischen Ende Mai und Anfang September. Wer die letzte Überfahrt der Saison verpasst, sitzt mit zwei Motorrädern auf einer Insel fest.

Diesmal verlangt das kein Beamter. Ein Schiffsfahrplan tut es. Und diese eine Deadline haben wir uns selbst ausgesucht. Auf der Karte ist sie die einzige rote Linie.

Am nächsten Morgen rollen wir aus der Einfahrt. Kein Foto vor dem Haus, kein Countdown. So unspektakulär, als führen wir zum Bäcker. Erst südlich von München, als die ersten offenen Felder auftauchen, merke ich, wie sich eine Anspannung löst, die ich wochenlang gar nicht als solche erkannt hatte.

Kurz vor der Passhöhe am Oberjoch hält Julia einfach an. Motor aus, Helm noch auf, Blick ins Tal. Ich halte hinter ihr und frage nicht warum. Als sie den Helm abnimmt, sagt sie nur: „Nicht die Ankunft. Das hier.“

Am Nachmittag überqueren wir bei Neuenburg die Grenze nach Frankreich. Ein Schild, ein Wechsel der Fahrbahnmarkierung, sonst nichts. An der nächsten Tankstelle zählt Julia auf, was fehlt: kein Stempel, kein Ermessen, kein schlecht gelaunter Beamter. Sie klingt fast enttäuscht. Dann grinst sie.

Am vierten Tag erreichen wir Nizza. Das Licht liegt schon golden auf dem Wasser. Julia stellt ihr Motorrad auf den Seitenständer und geht in voller Montur ans Ufer, bis das Mittelmeer ihre Stiefel erreicht. Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wissen wir nicht, was in den nächsten vierundzwanzig Stunden passiert. Wir wissen nur, wann die nächste Fähre nach Korsika geht.

Sie geht am nächsten Morgen um zehn. Wir sind pünktlich. Niemand hat es verlangt.

Gelassenheit im eigenen Business: Wenn sich die Frage verschiebt.

Am Abend sitzen wir in einer kleinen Hafenkneipe im Vieux Port. Julia fragt den Kellner in ihrem guten Französisch nach der Fähre nach Bastia. Ich nutze die Zeit und schreibe eine Nachricht an unser Team.

Kurz. Unaufgeregt. Kein Feuerlöschen wie in den ersten Monaten, kein „Geht das überhaupt?“. Unser Zusatzeinkommen unterwegs trägt inzwischen. Nicht als Nebenprojekt, das man neben dem Reisen betreibt, sondern als der Grund, warum wir überhaupt so reisen können.

Und trotzdem ist da eine Frage. Eine neue. Wie führt man etwas, das schon trägt, ohne es zu ersticken?

Später, auf dem Weg zurück zu den Motorrädern, bleibt Julia noch einmal stehen und schaut aufs dunkle Wasser. Nur ein paar Lichter der Hafenpromenade spiegeln sich darin. Dann sagt sie den Satz, der das ganze Buch zusammenhält: „Wir müssen gar nicht mehr überlegen, ob wir das können. Wir überlegen nur noch, wie wir es gut machen.“

Genau da liegt der Perspektivwechsel. Viele warten darauf, dass irgendwann keine Fragen mehr offen sind. Dass sich alles gesetzt hat und man endlich durchatmen kann. Aber so fühlt sich Fortschritt nicht an. Die Fragen hören nicht auf. Sie werden andere.

Am Anfang fragst du: Schaffe ich das? Bin ich überhaupt der Typ dafür? Später fragst du: Wie mache ich es gut? Wie begleite ich die Menschen, die mit mir unterwegs sind? In unseren Gesprächen hat sich genau das verschoben. Früher haben wir erklärt und überzeugt. Heute fragen wir nach. Aus Aufbauarbeit ist Führungsarbeit geworden, in einem kleinen Team, das über mehrere Länder verteilt ist.

Ehrlich gesagt: Über Nacht ist das nicht passiert. Es hat zwei Jahre gedauert, einen ganzen Kontinent und ein paar handfeste Krisen. Und eine fertige Antwort auf die neue Frage hatte an diesem Abend in Nizza keiner von uns beiden.

Was hilft, ist erstaunlich einfach. Ein fester Punkt, den du dir selbst setzt. Ein Takt, der zu deinem Leben passt, statt jeden einzelnen Tag zu verplanen. Und ab und zu die ehrliche Prüffrage, welche Frage du dir gerade eigentlich stellst. Steht da noch „ob“, bist du am Anfang. Das ist völlig in Ordnung. Steht da schon „wie gut“, bist du einen Schritt weiter, als du vielleicht denkst.

Das ist kein System und keine Garantie. Es ist das, was bei uns funktioniert hat, auf der Straße und im Business.

Was die rote Linie auf der Karte bedeutet.

Eine einzige Fährverbindung, rot markiert auf einer Europakarte. Mehr Deadline hatten wir in diesem Jahr nicht. Und doch hat genau diese eine Linie den ganzen Sommer sortiert: wie lange wir an einem Ort bleiben, wann wir weiterziehen, wie viel Luft wir uns zwischen den Etappen lassen.

Gelassenheit im eigenen Business entsteht nicht dadurch, dass du alle Grenzen loswirst. Sie entsteht dadurch, dass du die richtigen selbst ziehst.

Eine Deadline, die du dir selbst gibst, nimmt dir keine Freiheit. Sie gibt ihr eine Richtung.

Häufige Fragen.

Brauche ich wirklich eine Deadline, wenn ich doch frei sein will?

Eine einzige reicht meistens. Ein echter, fester Punkt, etwa eine Saisonfähre, ein Treffen mit Freunden oder das Ende der Reisesaison, sortiert alles andere, ohne jeden Tag zu verplanen. Entscheidend ist, dass du ihn selbst gewählt hast und nicht jemand anderes.

Muss ich verkaufen können, um mir unterwegs ein Zusatzeinkommen aufzubauen?

Nein. Bei uns begann es mit Gesprächen, nicht mit Verkaufsgesprächen. Weitergeben statt verkaufen: Wer fragt, bekommt eine ehrliche Antwort. Wer nicht fragt, wird nicht bedrängt. Mit der Zeit verschiebt sich die Arbeit dann vom Erklären zum Nachfragen.

Woran merke ich, dass ich vom Aufbauen ins Führen komme?

An deinen Fragen. Solange du dich fragst, ob es überhaupt funktioniert, baust du auf. Sobald du dich fragst, wie du es gut machst und wie du die Menschen begleitest, die mit dir arbeiten, bist du beim Führen angekommen. Das passiert nicht an einem Stichtag, sondern schleichend.

Dein Aktionsplan für die nächste Saison.

Du brauchst dafür keinen Jahresplan und keine neue App. Ein ruhiger Abend reicht. Und eine Karte, gern auf Papier.

1. Such dir einen einzigen festen Punkt für die nächste Saison. Etwas Echtes: eine Fähre, die nur im Sommer fährt, ein Treffen mit Freunden, der Tag, an dem dein Lieblingspass wieder öffnet.

2. Markier diesen Punkt sichtbar. Auf der Karte, im Kalender, am Kühlschrank. Nur diesen einen.

3. Leg einen Takt fest statt eines Tagesplans. Zum Beispiel zehn bis vierzehn Tage an einem Ort, dann weiter. Was innerhalb dieser Tage passiert, bleibt offen.

4. Schreib die Frage auf, die dich im Business gerade am meisten beschäftigt. Steht da „ob“ oder „wie gut“? Beides ist ein guter Ausgangspunkt, solange du weißt, welcher es ist.

5. Schau in vier Wochen noch einmal auf diesen Zettel. Hat sich die Frage verschoben? Dann bist du weitergekommen, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Mehr braucht es für den Anfang nicht. Bei uns hat eine rote Linie auf einer Karte einen ganzen Sommer getragen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Gelassenheit im eigenen BusinessVom Zusatzeinkommen zum eigenen kleinen TeamTeam führen aus der Ferne
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Fred Renoth

Fred Renoth ([email protected]) ist der Gründer von „The Business Biker Motorrad Abenteuer” und ein Fan von gesundem Leben. Er verbringt seine Tage damit, auf zwei Rädern das Land zu erkunden und die Freiheit und Einfachheit zu genießen. Dank der finanziellen Unabhängigkeit durch sein eigens Business kann er sein Leben ganz nach seinen Vorstellungen gestalten. Unterwegs erzählt Fred Geschichten über Abenteuer, Durchhaltevermögen und darüber, wie man ein Leben aufbaut, in dem die Arbeit die Leidenschaft beflügelt, anstatt sie einzuschränken. Fred hat sich mit Jessi Bimmer, einer BMW 1200 GS Adventure, und Klaus Kimann zusammengetan, der sich um die digitalen Aspekte der Reise kümmert.

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